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Prof. Dr.-Ing. Rolf Karbaum

Es war eine bemerkenswerte Leistung, nur sechs Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges in einer politisch und vor allem wirtschaftlich unglaublich schweren Zeit in unserer Stadt die „Volksmusikschule“ zu gründen. Görlitz hatte damals annähernd 100.000 Einwohner. Im gleichen Jahr wurde das „Stadion der Freundschaft“ eingeweiht, das Bekleidungswerk nahm seine Produktion auf und das Museum im Barockhaus auf der Neißstraße wurde eröffnet. Mit der Musikschule entstand eine Bildungsstätte, in der mit viel pädagogischem Geschick, mit Geduld, aber auch mit der notwendigen Strenge jungen Menschen die Liebe zur Musik, verbunden mit dem Erlernen eines Instrumentes, vermittelt wurde. Die vielen Lehrerinnen und Lehrer haben in den vergangenen Jahrzehnten Hervorragendes geleistet. Sie vermittelten nicht nur Notenkenntnis und Spieltechnik, sondern machten auch Mut, lehrten Duchhaltevermögen und Zielstrebigkeit und halfen über unvermeidliche Rückschläge und Krisen hinweg. Sie trugen damit auch ganz wesentlich zur Charakterbildung ihrer Schüler bei. Bei den allermeisten der Schüler, die im Laufe der folgenden Jahrzehnte diese Einrichtung besuchten, fand die Liebe zur Musik einen ständigen Platz in ihrem Leben, bei vielen war das Instrument ein lebenslanger Begleiter, die Besten fanden auf diese Weise ihre spätere berufliche Grundlage und einige wurden weltweit berühmte Musiker. Ich hatte das Glück, als zehnter Schüler im Gründungsjahr aufgenommem zu werden. Inzwischen wächst schon die dritte Generation von Schülern an unserer Musikschule heran, und so besuchen heute zwei meiner Enkel unsere Musikschule „Johann Adam Hiller“.Vieles hat sich im Laufe der Jahrzehnte verändert. So ist aus dem ursprünglich auf klassische Musik ausgerichteten Profil eine Bildungsstätte mit einem breiten Spektrum geworden: mit Tanz, Gesang, Pop, mit mehreren Orchstern und Bands. Hervorzuheben ist vor allem die Überführung in die neue Trägerschaft des Musikschulvereins im Jahr 1996, eine im Wortsinn lebensrettende Operation. Ohne diesen Schritt gäbe es unter den heutigen Bedingungen unsere Musikschule nicht mehr. Zu danken ist der Gründerin und langjährigen ersten Direktorin, der leider inzwischen verstorbenen Maria Frenzel-Weiner. Zu danken ist allen Lehrern, die in den vergangenen Jahrzehnten an der Schule gewirkt haben oder heute an ihr tätig sind. Zu danken ist allen Förderern und den aktiven Eltern, die sich für die Erhaltung unserer Musikschule eingesetzt haben bzw. heute einsetzen. Zu danken ist aber auch der Stadt Görlitz, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten Unterstützung gewährt und die zu Recht stolz auf diese Einrichtung ist. Den fünfzigsten Geburtstag konnten wir mit einem Festkonzert in unserer Stadthalle am 29. September 2001 feiern. Freuen wir uns nach den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag auf den 70. Geburtstag, den wir wieder in der Stadthalle erleben werden. Ich wünsche unserer Musikschule und ihren Lehrern und Schülern der dann schon vierten Generation auf diesem Weg Erfolg und Glück, denn Musik ist ein hohes Gut, das Ludwig van Beethoven treffend mit den Worten beschrieb: „Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.“
Prof. Dr.-Ing. Rolf Karbaum