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Musikschule Zgorzelec

Mittwoch, 28. Juni 2006
(Sächsische Zeitung)

Polnische Schüler können kostenlos ein Instrument lernen
Von Janusz Grzeszczuk
Kultur. Seit 40 Jahren werden in Zgorzelec junge Musiker ausgebildet.

40 Jahre Musikschule in Zgorzelec, das ist eigentlich nichts Besonderes. Etwas Besonderes aber sind die Impulse und Kontakte, die während dieser Zeit mit der Musik über die Neiße geknüpft wurden. Manche waren nur von kürzerer Dauer, andere halten bis heute.

Eigentlich begann es ja schon vor 60 Jahren, als eine Gruppe polnischer Enthusiasten die Musikschule „Feliks Nowowiejski“ ins Leben rief. Fünf Jahre später zerfiel diese wieder und es dauerte bis zum Jahre 1956, ehe die staatliche Musikschule in Zgorzelec gegründet wurde. Sie erhielt den Status der ersten, also der niederen Stufe. 20 Jahre später wurde ihr der nächst höhere Grad verliehen. Heute werden an der Musikschule Zgorzelec Klavier, Akkordeon, Flöte, Klarinette, Geige, Violoncello und Kontrabass gelehrt. Es gibt einen Chor, ein Orchester, eine Akkordeongruppe und ein Kammerorchester.

Gemeinsame Konzerte

In den frühen Siebzigern erhielt die Schule einen Konzertflügel der Marke Petrof. In diese Zeit fallen auch erste Kontakte zur benachbarten Musikschule in Görlitz. Es gab erste gemeinsame Konzerte und Ausflüge in das jeweilige Partnerland. Verbindungen wurden auch zu den Musikschulen in Zittau und Liberec geknüpft. 1974 wurde das deutsch-polnische „Orchester der Freundschaft“ gegründet. Nach fast zwanzig Jahren gemeinsamen Musizierens wurde es aber irgendwie „vom Wind der Geschichte verweht“. Erst 1999 erinnerte man sich daran und gründete ein neues Jugendorchester. Als gemeinsamer Probenort dient die Görlitzer Musikschule „Johann Adam Hiller“. Seit 2002 ist der Dresdner Dirigent Wolfgang Behrend sein Leiter.

Mindestens einmal im Jahr geht es für die Mitglieder des Ensembles ins Ausland. So reiste das Orchester 2002 nach Italien. Als Krönung wurde in Verona ein Konzert gegeben. Am 31. Januar traten die Musikschüler im Rahmen der Bewerbungen um den Titel „Kulturhauptstadt 2010“ in Brüssel auf.

Die Musikpädagogin Malgorzata Duda gehört zu den ersten Absolventen, die das begehrte Diplom II. Grades in Zgorzelec erwarben. Sie studierte an der Musikakademie Wroclaw weiter und kehrte danach als Lehrerin nach Zgorzelec zurück. Vor vier Jahren gründete sie den Chor, der a cappella als auch in Orchesterbegleitung singt.

Karolina Nachalska beendet in diesem Jahr ihre Ausbildung als Violinistin und wird in Wroclaw weiter studieren. Bei Anna Dziuron ist es etwas anders. „Ich weiß noch nicht“, sagt sie. Ob sie sich ganz und gar der Musik oder lieber der Architektur zuwenden soll, hat sie noch nicht entschieden. Die Pläne von Wawrzyniec Szymanski im ersten Studienjahr sind noch ganz offen. Er spielt im Orchester das Waldhorn. „Ich könnte mir vorstellen, neben der Musik Kulturwissenschaften zu studieren“, meint er.

An Wettbewerben teilnehmen

Die Musikschule ist eine staatliche Einrichtung und kostenfrei, wenn man von ein paar Zloty für Instrumentenutzung und einen Musikfonds absieht. Sie ist im Status einer allgemein bildenden Schule gleichgestellt. Nach Alltagsproblemen befragt, fällt Direktorin Izabela Helinska sofort ein ökonomisches ein: die Finanzierung der Wettbewerbsteilnahme im In- und Ausland. „Solche Auftritte sind wichtig“, sagt sie, „muss man doch über den Tellerrand schauen.“